Männer ab 40: was passiert mit dem Testosteron?

Männer haben keine klassischen Wechseljahre. Es gibt keinen plötzlichen Einschnitt wie bei Frauen. Trotzdem verändert sich auch ihr Hormonhaushalt.

Das Testosteron sinkt langsam und über viele Jahre hinweg, im Schnitt um etwa ein bis zwei Prozent pro Jahr ab dem 30. Lebensjahr. Das klingt zunächst wenig, summiert sich aber über die Zeit. Nach zehn oder zwanzig Jahren kann dieser Rückgang spürbar werden – körperlich und auch mental. Heute versteht man diese Entwicklung besser als früher und weiß auch, welche Faktoren beeinflussen, wie stark sie ausfällt.

Was Testosteron im männlichen Körper macht

Testosteron ist mehr als ein Hormon für Muskeln und Sexualität. Es wirkt auf viele Bereiche im Körper: auf die Knochendichte, die Fettverteilung, den Stoffwechsel, die Stimmung, den Antrieb, die geistige Leistungsfähigkeit und das Herz-Kreislauf-System. Ein stabiler Testosteronspiegel hängt oft mit einem geringeren Risiko für Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Herzkrankheiten zusammen. Umgekehrt haben Männer mit deutlich niedrigen Werten häufiger Probleme in diesen Bereichen.

Dabei ist die Ursache nicht immer eindeutig. Führt ein niedriger Testosteronspiegel zu Übergewicht – oder senkt Übergewicht das Testosteron? In der Praxis passiert beides. Vor allem Bauchfett spielt eine wichtige Rolle. Es kann Testosteron in Östrogen umwandeln und den Spiegel weiter senken. So entsteht ein Kreislauf, der sich gegenseitig verstärkt.

Wann ist niedriges Testosteron ein medizinisches Problem?

Nicht jeder Rückgang ist behandlungsbedürftig. Von einem echten Mangel spricht man nur, wenn ein dauerhaft niedriger Testosteronwert mit typischen Beschwerden zusammenkommt. Symptome allein reichen nicht aus, und ein niedriger Laborwert ohne Beschwerden muss in der Regel auch nicht behandelt werden.

Typische Anzeichen können sein anhaltende Erschöpfung und Antriebslosigkeit, eine verringerte Libido oder Erektionsprobleme, Muskelabbau bei gleichzeitig zunehmendem Bauchfett, gedrückte Stimmung oder das Gefühl, geistig langsamer zu sein. Diese Beschwerden überschneiden sich allerdings stark mit anderen Ursachen wie Stress, Schlafmangel, Depression oder Übergewicht. Deshalb sollte die Diagnose nicht vorschnell gestellt werden, sondern immer sorgfältig abgeklärt werden.

Labordiagnostik bei Verdacht auf Testosteronmangel

Das Testosteron sinkt langsam und über viele Jahre hinweg, im Schnitt um etwa ein bis zwei Prozent pro Jahr ab dem 30. Lebensjahr. Das klingt zunächst wenig, summiert sich aber über die Zeit. Nach zehn oder zwanzig Jahren kann dieser Rückgang spürbar werden – körperlich und auch mental. Heute versteht man diese Entwicklung besser als früher und weiß auch, welche Faktoren beeinflussen, wie stark sie ausfällt.

Testosteron-Ersatztherapie: Was die Forschung sagt

Eine Testosteron-Ersatztherapie kann bei einem klar diagnostizierten Mangel sinnvoll sein. Studien zeigen, dass sie sich positiv auf Körpergewicht, Stoffwechsel, Knochendichte und Stimmung auswirken kann. Lange Zeit gab es Unsicherheit bezüglich möglicher Risiken für Herz und Kreislauf. Neuere Studien konnten jedoch kein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte bei Männern mit medizinisch bestätigtem Testosteronmangel zeigen. Dennoch gibt es Hinweise, dass bei bestehenden Herzproblemen Vorsicht geboten ist. Testosteron ist deshalb keine allgemeine Anti-Aging-Maßnahme, sondern eine gezielte medizinische Behandlung bei einem echten Mangel.

Aus der Praxis

Ein Mann, Mitte vierzig, berichtet über Erschöpfung, nachlassende Libido und das Gefühl, körperlich abzubauen. Die Blutwerte liegen im unteren Normbereich. Nach einer genaueren Abklärung entscheidet er sich zunächst gegen eine medikamentöse Therapie und verändert seinen Lebensstil. Mehr Krafttraining, besserer Schlaf und eine Gewichtsreduktion führen dazu, dass sich seine Werte und sein Befinden messbar verbessern.

Was Testosteron natürlich beeinflusst

Bevor man über eine Therapie nachdenkt, lohnt sich der Blick auf den Lebensstil. Krafttraining kann den Testosteronspiegel messbar erhöhen, besonders bei intensiver Belastung großer Muskelgruppen. Ausreichend Schlaf ist entscheidend, da Testosteron vor allem im Schlaf gebildet wird. Schlafmangel kann den Spiegel schon nach wenigen Tagen deutlich senken. Auch das Körpergewicht spielt eine Rolle, vor allem Bauchfett. Wird es reduziert, verbessert sich der Hormonhaushalt. Größere Mengen Alkohol senken Testosteron, und chronischer Stress wirkt ebenfalls negativ, weil er die Produktion hemmt.

Wann zum Arzt?

Wenn über längere Zeit Beschwerden wie Erschöpfung, Libidoverlust, Muskelabbau oder Erektionsprobleme bestehen, sollte das ärztlich abgeklärt werden. Eine Blutuntersuchung ist ein einfacher erster Schritt, die Einordnung der Ergebnisse braucht jedoch Erfahrung und sollte nicht allein auf eigene Faust erfolgen.

Was du jetzt tun kannst

Regelmäßiges Krafttraining, ausreichend Schlaf, die Reduktion von Bauchfett und ein bewusster Umgang mit Alkohol sind die wichtigsten Hebel, um den Testosteronspiegel positiv zu beeinflussen. Gleichzeitig gilt: Eine Selbstdiagnose oder eigenständige Behandlung ist keine gute Lösung. Wenn der Verdacht auf einen Mangel besteht, sollte die Abklärung immer ärztlich erfolgen.

Quellen

Hudson, J. et al. (2022). Adverse cardiovascular events and mortality in men during testosterone treatment: a meta-analysis. Lancet Healthy Longevity, 3:e381-393.

Lincoff, A.M. et al. (2023). Cardiovascular safety of testosterone-replacement therapy. N Engl J Med, 389:107-117.

Stallone, J.N. et al. (2023). Cardiovascular and metabolic actions of androgens. Biochem Pharmacol, 208:115347.

Feldman, H.A. et al. (2002). Age trends in testosterone levels: longitudinal results from the Massachusetts Male Aging Study. J Clin Endocrinol Metab, 87(2):589-598.

Borges, J.Y.V. (2024). The inverse association between testosterone replacement therapy and cardiovascular disease risk: a 25-year review. medRxiv preprint.

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